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ÜBERBLICK-PORTRAIT
Junge Düsseldorfer Künstler
Vorgestellt:
Wolfgang Schäfer
von Alice Richthofen
Wolfgang Schäfer ist geprüfter Designer. Doch das
zweckgebundene, planvolle Zeichen interessiert ihn lange
nicht mehr. Er hat sich als Autodidakt andere, spannendere
Wege gesucht, vielseitige Ausdrucksformen erprobt, um
tiefe Schichten seines Inneren zu erreichen, zu befreien
und dies auch anderen mitzuteilen.So griff er zu Pinsel und
Farbe und bis heute empfindet er sich primär als Maler.
Doch bald kamen ihm Zweifel:
Alleine vor seiner Leinwand hat er die Möglichkeiten dieses
Medium als unzureichend empfunden. Grund für seine
Unzufriedenheit war die Suche nach einer alles in sich
vereinigenden Wahrheit, ein hochfliegendes Ideal, für das
schon Künstlergenerationen gekämpft und gelitten haben.
Da entdeckte Wolfgang Schäfer die Bedeutung des Tanzes
für seine Malerei. Bewegung als Erfahrungs- und Ausdrucks-
möglichkeit in einer Zeit, in der das Körperbewußtsein zu
kurz kommt, der direkte sinnliche Bezug zur Natur fehlt,
die körperlichen Bedürfnisse meistens nur kompensiert
erlebt werden.So kam es 1982 anläßlich des Performance
Festivals in der Villa Engelhardt (BBK) zu einem Auftritt
mit Robert Solomon. Erst tanzten die beiden zusammen
vor einer leeren, nesigen Leinwand, die Jazzgruppe Bury
begleitete sie mit klanglichen Improvisationen.
Dann verschwand Solomon hinter der Leinwand, wurde
von hinten beleuchtet und die Zuschauer sahen einen
faszinierenden Schattentanz. Da tauchte Wolfgang Schäfer
dicke Pinsel in Farbeimer und verfolgte mit rhythmischer
Malgestik auf dieser Leinwand die Schwünge des Tänzers.
Das war ein intensiver Dialog zwischen Farbe, Form, Gestik
und Klang. Die Gebärden des Körpers, übertragen in die
Bewegungen des weit ausfahrenden Armes, fanden ihren
Niederschlag auf dem Malgrund.
Das Gemälde wurde zum Aktionsdiagramm des Tanzes
und hielt auch die Entwicklung der Musik in sich zunehmend
verdichtenden Pinselstrichen fest.
Zum Schluß kam Solomon wieder hervor, nahm Kontakt
mit dem Bild auf und drückte seine Reaktionen in spontanen
Tanzimprovisationen aus. Schnelligkeit, Direktheit, keine
Vorstudien, keine Proben, alle intellektuellen Einflüsse sollen
möglichst beseitigt werden, um die Spontaneität des Malpro-
zesses nicht zu stören. Nur die Raumausstattung und
-anordnung wird vorgegeben. Oder eine Thematik,
wie z.B. das Trauma der Geburt, das sehr verschieden und
subjektiv von den einzelnen Akteuren als in die Welt-
Geworfensein empfunden wird.
Gesamtkunstwerk? Performance? Fluxus? Wie man auch
diese Veranstaltungen benennen mag, es geht Wolfgang
Schäfer darum, die Grenzen zwischen den verschiedenen
Künsten zu überbrücken, ja sogar die Trennung zwischen
Kunst und Leben
zumindest während der Aktion aufzuheben.
Er versucht, aus der allgemeinen Apathie herauszutreten,
neue Lebens-
und Empfindungsformen zu erproben. Das ist nicht nur eine
ästhetische sondern auch eine soziale und philosophische
Intention.
Zahlreiche anregende Malaktionen initiierte er bereits in
Berlin (Kreuzbergmarkt) und auch in Düsseldorf (zuletzt im
vergangenen November in der Werkstatt),
mit unterschiedlichen Teilnehmern. Es war jedesmal ein
neuartiger Schöpfungsprozeß, in dem Livemusik, gestischer
Tanz und Malerei zusammenfanden, sich potenzierten und
zeitweise zu einer Einheit wurden. Bilder aus solchen
Aktionen, die Schäfer nicht als bloße Relikte sondern als
eigenständige Werke betrachtet, werden im ,,Op de Eck,
Hammerstr. 38, vom 1. April, 20.00 Uhr, bis zum 14. April
gezeigt. Am gleichen Tag eröffnet Helmut Linden in seiner
Wohnung auf der Cranachstr. 40 um 11 Uhr eine
Ausstellung von Schäfers Atelierbildern.
Käufer und Mäzene herzlich eingeladen!
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